artikel, coaching, digitalisierung

Digitalisierung der Arbeitswelt – Die Zukunft nachhaltig mitgestalten

Man spürt ihn fast immer und überall – den digitalen Wandel. Auch in der Arbeitswelt ist dieser nicht mehr wegzudenken. Die Digitalisierung bringt technologische Innovationen und Weiterentwicklungen mit sich, doch sie hat für uns Menschen durchaus auch herausfordernde Begleiterscheinungen. Betriebliche Mentoren mit eidg. Fachausweis können mit ihren Kompetenzen, Lern-, Veränderungs- und Entwicklungsprozesse zu begleiten, den Übergang ins digitale Zeitalter nachhaltig unterstützen.

Artikel aus personalSCHWEIZ November 2018, verfasst durch Peter Bürki

Der digitale Wandel ist längst eingetreten. Er verändert das Leben von uns allen und wird immer mehr zur treibenden Kraft für gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen. Auch die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch und passt sich der Digitalisierung und ihren Folgen stetig an. Doch wo führt dieser Weg letztendlich hin und wie sieht unser zukünftiger Arbeitsplatz aus?

Arbeit 4.0 oder Veränderungsprozesse der zukünftigen Arbeitswelt

Ein Ausdruck, der in aller Munde ist und die Zukunft der Arbeit beschreibt, ist «Arbeit 4.0». Gemeint ist damit das Arbeiten während der vierten industriellen Revolution, auch «Industrie 4.0» oder Internet der Dinge genannt, die durch das Internet als Infrastruktur zu flexiblem, digitalem und vernetztem Arbeiten führen soll. Man geht davon aus, dass Unternehmen zukünftig in der Lage sein werden, verschiedene voneinander unabhängige Systeme so zu vernetzen, dass sich diese durch einen wechselseitigen Informationsaustausch eigenständig steuern und auch weiterentwickeln können (Botthof & Hartmann, 2015). «Arbeit 4.0» beschäftigt sich also mit den Veränderungsprozessen der Arbeitswelt, die durch diese technologischen Fortschritte ausgelöst werden: Agile Arbeitsformen, veränderte Anstellungsbedingungen, innovative Arbeitsmodelle sowie neue Führungsansätze und Organisationsstrukturen werden angestrebt und stehen für die Arbeit von heute und morgen.

Mittendrin der Mensch

Nicht unberührt von diesen Entwicklungen bleibt der Mensch. Die Eigenschaften der «Arbeit 4.0» beeinflussen den eigenen Berufsalltag spürbar, verändern Aufgaben und Rollen und führen zu erhöhten Arbeitsanforderungen. Was bisher funktioniert hat, gelingt inzwischen nur noch bedingt und was heute als Trend bezeichnet wird, könnte morgen bereits wieder veraltet sein. Diese Unberechenbarkeit stellt uns vor Herausforderungen und erfordert lebenslanges Lernen. Von aussen betrachtet, könnte man den Übergang ins digitale Zeitalter als eine von vielen grossen Veränderungen bezeichnen, denen wir als Arbeitnehmende im Verlauf unseres Berufslebens begegnen. Doch der durch die Digitalisierung bedingte Wandel scheint ein besonderer zu sein – schnelllebig und durchaus auch durch seine Schattenseiten gekennzeichnet.

VUKA-Welt – das Tempo der Digitalisierung

Lern-, Veränderungs- und Entwicklungsprozesse gab es schon immer. Was neu ist, ist die steigende Geschwindigkeit, der Unternehmen und ihre Mitarbeitenden nachkommen müssen. Und dies ist nur eine der vielen neuartigen Herausforderungen. Nach dem VUKA-Begriff zeichnet sich die heutige, zunehmend digitalisierte Welt durch vier Eigenschaften aus: Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (siehe Tabelle auf Seite 24). Veränderungen werden also nicht nur schneller, sondern sie treten auch häufiger, unvorhersehbar, in verknüpfter Form und ohne eindeutige Ursache-Wirkungszusammenhänge auf. Mit anderen Worten: Unternehmen müssen flexibel und anpassungsfähig sein, um mit dem Tempo der Digitalisierung und den Herausforderungen der VUKA-Welt umgehen zu können.

Auswirkungen auf den Menschen

Was der digitale Wandel beim Menschen selbst auslöst und wie sich die damit verbundenen Veränderungen auf das menschliche Verhalten und Wohlbefinden auswirken, ist noch unklar beziehungsweise bis anhin nur annähernd abschätzbar. Es gibt jedoch erste wissenschaftliche Untersuchungen, die sich diesem Thema widmen. Eine aktuelle Studie des Instituts für Angewandte Psychologie (IAP) der ZHAW hat sich auf den Menschen in der «Arbeitswelt 4.0» fokussiert und über 600 Schweizer Fach- und Führungskräfte zum Thema «Digitalisierung im Arbeitsalltag» befragt (Genner et al., 2017). Die gute Nachricht: Die Ergebnisse zeigen, dass die Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen, mehrheitlich als positiv empfunden werden. Insbesondere die Freiräume in der Arbeitsgestaltung, wie zum Beispiel das zeit- und ortsunabhängige Arbeiten, werden von den befragten Personen geschätzt. Die Studie verdeutlicht jedoch gleichzeitig auch die Schattenseiten der Digitalisierung: Die zunehmende Geschwindigkeit des digitalen Wandels und die damit verbundenen unklaren, zukünftigen Veränderungen werden von vielen der Befragten als Dilemma wahrgenommen und erzeugen Unsicherheiten – insbesondere in Bezug auf ihren Arbeitsplatz. Weitere Studien zeigen, dass Veränderungen und Umstrukturierungen in Unternehmen bei Mitarbeitenden mit erhöhtem Stressniveau, Motivationsverlust, Leistungsabfall oder gar mit gesundheitlichen Problemen einhergehen können (Ulrich, 2008). Auch mögliche Folgen der Digitalisierung wie Zeitdruck oder komplexere Arbeitsprozesse scheinen nicht zu unterschätzende Belastungsfaktoren zu sein, denen der Mensch bei der Arbeit begegnet (Grebner et al., 2011).

Diese empirischen Befunde führen die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Menschen vor Augen und verdeutlichen, dass dieser in der Zeit des Umbruchs nicht im Stich gelassen werden sollte. Eine professionelle Begleitung gewinnt bei den stetigen Veränderungen der heutigen Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung.

Begleitung durch betriebliche Mentoren mit eidg. Fachausweis

Personen, die über die nötigen Kompetenzen verfügen und dieser Aufgabe somit gewachsen sind, sind betriebliche Mentoren. HR-Fachleute und auch weitere Berufsgruppen mit einer Zusatzqualifikation als betrieblicher Mentor mit eidg. Fachausweis werden in der digitalen Transformation als wesentliche Figuren betrachtet und eröffnen durch ihre Fähigkeiten neue Gestaltungs- und Handlungsspielräume. Sie begleiten Organisationen sowie Einzelpersonen – also Führungspersonen, Fachkräfte und Mitarbeitende – bei den stetigen Lern-, Veränderungs- und Entwicklungsprozessen der durch die Digitalisierung geprägten Arbeitswelt und können dadurch das Eintreffen herausfordernder Begleiterscheinungen (z.B. Ängste, Unsicherheiten, Widerstände, Stress) verhindern. Im Folgenden werden drei Bereiche beschrieben, in denen betriebliche Mentoren während der digitalen Transformation mitwirken können.

Lösungsorientierung

Bei der digitalen Transformation ist lösungsorientiertes Denken und damit eine positive Grundhaltung gewinnbringend. Da der Mensch der beste Experte für seine individuelle Situation ist, unterstützen betriebliche Mentoren betroffene Personen dabei, bei auftretenden Problemen eigene Lösungswege zu entdecken und zu entwickeln, die nötigen Entscheidungen selbst zu treffen und dadurch eigenverantwortlich zu handeln.

Resilienz

Neben der Lösungsorientierung steht bei der digitalen Transformation auch der Umgang mit Herausforderungen im Fokus. Betriebliche Mentoren unterstützen die Organisation und Einzelpersonen dabei, eine Resilienz – also eine organisationale oder persönliche Widerstandsfähigkeit – zu entwickeln, um Krisen, Umbrüche und Veränderungen nicht nur bewältigen zu können, sondern auch positiv darauf zu reagieren und gestärkt daraus hervorzugehen. So ist es möglich, trotz turbulenten Phasen nachhaltig leistungsfähig zu sein.

Kultureller Wandel

Um den Schritt ins digitale Zeitalter zu schaffen, ist nicht nur ein digitaler, sondern auch ein kultureller Wandel nötig. Die digitale Transformation beginnt in den Köpfen der Mitarbeitenden und funktioniert nur, wenn sie von unten getragen wird. Betriebliche Mentor/-innen schaffen daher in Zusammenarbeit mit der Belegschaft eine digitale Unternehmenskultur. Dies gelingt, indem sie Anreize schaffen, den Mitarbeitenden verdeutlichen, dass die geplanten Veränderungen essentiell und zu ihrem Vorteil sind und betroffene Personen bei der Umsetzung aktiv miteinbeziehen.

Darüber hinaus begleiten betriebliche Mentoren die Mitarbeitenden bei ihrer persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung und stellen dadurch einen festen Bestandteil der Personalentwicklung dar. Durch die aufbauende Beziehung und den wechselseitigen Austausch ist betriebliches Mentoring sowohl für die Organisation als auch für den Mentee und den Mentor selbst eine Bereicherung.

Achtsamkeit bringt uns weiter

Zum besseren Umgang mit dem Tempo der Digitalisierung oder auch als Vorbeugung gegen allfällige herausfordernde Begleiterscheinungen, lohnt es sich auch, in der heutigen Arbeitswelt zwischendurch «einen Gang zurückzuschalten». Die Idee dahinter ist, für einen Moment nicht in der Zukunft, sondern in der Gegenwart oder gar in der Vergangenheit zu leben, um nützliche Ressourcen für zukünftige Herausforderungen zu sammeln.

Auch hier können betriebliche Mentoren mit eidg. Fachausweis helfen, der durch die Digitalisierung bedingten Beschleunigung aktiv entgegenzuwirken und wo möglich, wieder langsamer zu werden und zu einem Ausgleich zurückzukehren. Denn eins ist klar: Der digitale Wandel vollzieht sich rasant und wird ohnehin nicht aufhaltbar sein.

Artikel zum Downloaden

Weitere interessante Artikel zu verwandten Themen:
Job, VUKA, CAS, betriebl. Mentoring, eidg. Fachausweis, Resilienz, Mentoring, Digitalisierung, HR, Organisation, Führung