Durch die interkulturelle Brille - März 2020

Kulturelle Intelligenz im Coaching

Artikel verfasst von Claudia Meierhans, IZB PH Zug

Im Zusammenhang mit interkulturellen Kompetenzen taucht immer wieder der Begriff «Kulturelle Intelligenz» – auch CQ genannt – auf. CQ bezeichnet die Fähigkeit, (kulturelle) Differenzen wahrzunehmen und zu reflektieren und sich in unterschiedlichsten (interkulturellen) Kontexten und Konstellationen konstruktiv zu verhalten. Diese Fähigkeit ist auch für Coaches bedeutsam, da sie sich in einem zunehmend globalisierten Umfeld bewegen.

Das Konzept der «Kulturellen Intelligenz» ist von den Wissenschaftlern P. C. Earley und S. Ang geprägt. Sie beschreiben damit ein Konstrukt mit vier Dimensionen, die je einzeln einen Einfluss auf die Ausprägung der interkulturellen Kompetenz haben und individuell unterschiedlich ausgeprägt sein können:

  • CQ strategy (Metakognition) beschreibt die Fähigkeit, interkulturelle Situationen in ihrer Komplexität bewusst wahrzunehmen und in ihrer Vielschichtigkeit zu deuten. Dazu gehören vertiefte Kenntnisse und Kontrolle über die eigenen Denk- und Deutungsmuster sowie die Fähigkeit, eigene Normen, Wertvorstellungen und mentale Modelle in Frage zu stellen (und gegebenenfalls anzupassen).
  • CQ knowledge (Wissen) umfasst reflektiertes Wissen zu kulturspezifischen Normen, Praktiken oder Konventionen, das durch Bildung oder persönliche Erfahrung angeeignet wurde. Dazu gehört auch detailliertes Wissen zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden verschiedener Kulturen oder Subkulturen sowie Wissen zur Vielfalt und zum komplexen Zusammenspiel von gesellschaftlichen Differenzlinien. Dies kann in interkulturellen Situationen zu realistischeren Erwartungen gegenüber Einzelpersonen oder Gruppen führen, Fehlinterpretationen minimieren und der Stereotypisierungen entgegenwirken.
  • CQ action (Verhalten) beschreibt die Fähigkeit, sich in interkulturellen Situationen angemessen zu verhalten und sich verbal sowie non-verbal adäquat auszudrücken. Dies beinhaltet ein breites Handlungsrepertoire sowie ein breites Spektrum an Worten, Gesten und Gesichtsausdrücken. Damit kann das eigene Verhalten und die Kommunikation situations-spezifisch angepasst werden und einen konstruktiven Umgang auch in anspruchsvollen Situationen erreicht werden.
  • CQ drive (Motivation) beinhaltet die Fähigkeit und das Interesse, die persönliche Energie und Aufmerksamkeit auf das Lernen und Funktionieren in Situationen zu lenken, die durch (kulturelle) Unterschiede gekennzeichnet sind. Dazu gehört auch das Vertrauen, die Komplexität von herausfordernden, interkulturellen Situationen zu erfassen und sich darin konstruktiv verhalten zu können.

Insgesamt ist «Kulturelle Intelligenz» das gelungene Zusammenspiel dieser vier Wissens- und Verhaltensebenen in einer konkreten Situation. Für das Coaching kann der Blick auf diese vier Dimensionen der «Kulturellen Intelligenz» unterstützend sein, um den Coachee in einer interkulturellen Situation möglichst zielführend zu begleiten. So kann es sein, dass (1) die Fähigkeit, eine komplexe Situation zu erfassen und die Flexibilität, eine passende Strategie zu erarbeiten (CQ strategy), (2) reflektiertes, kulturspezifisches Wissen und Ver-ständnis (CQ knowledge), (3) angemessene Handlungsoptionen in einer konkreten Situation (CQ action) oder (4) Interesse und Vertrauen in das eigene Handeln in interkulturellen Situationen (CQ drive) für den Coachee hilfreich ist.

 

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