Für euch nachgefragt im August 2020

Was bedeutet der Gathering Effect?

Begriffe rund um Coaching, betriebl. Mentoring, Supervision und Resilienztraining wirkungsvoll erklärt

In diesem Monat haben wir bei Sonja Kupferschmid Boxler, Geschäftsleitungsmitglied (Produkte/Entwicklung) nachgefragt, was der Begriff «Gathering Effect» bedeutet. Im folgenden Text erläutert sie, woher der Begriff stammt, was darunter zu verstehen ist und wie dieses Wissen in Begleitungsprozesse einfliessen kann. 

Gathering Effect


Viele Veränderungsprozesse in Unternehmen werden über Meetings angestossen, egal ob diese nun vor Ort oder online stattfinden. Oftmals werden solche Meetings allerdings nicht optimal geplant und der erhoffte Effekt bleibt aus. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, hat die Organisationspsychologin Lindsey Caplan den «Gathering Effect» beschrieben.

Definition

Beim «Gathering Effect» handelt es sich um ein Modell, mit welchem sich Kommunikationsprozesse bei «Gatherings» – also Versammlungen von Menschen – beschreiben und gestalten lassen. Ziel des Modells ist es, Anwenderinnen und Anwendern ein Werkzeug zu bieten, mit welchem sie ihre Meetings so planen können, dass Informationen optimal vermittelt und ein nachhaltiger Veränderungsprozess angestossen werden kann.

Versammlungen richtig planen

Lindsey Caplan stammt ursprünglich aus der Unterhaltungsbranche, wo sie Texte für Komödien schrieb. Nachdem sie unter anderem für DreamWorks Animations gearbeitet hatte, widmete sie sich ihrem Studium der Organisationspsychologie an der Columbia University in New York und ist seither als Organisationsberaterin unterwegs.

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Den «Gathering Effect» hat sie erstmals in einem aktuellen Blog-Post aus dem Jahr 2020 beschrieben. Als Anlass nahm sie den Umstand, dass Meetings, Workshops und sonstige Versammlungen, an welchen Informationen an die Teilnehmenden weitergegeben werden, oft ihre eigentlichen Ziele verfehlen. Den Grund dafür sieht Caplan in einer unzulänglichen und unpassenden Planung und Ausführung solcher «Gatherings». Deren Ziel ist es nämlich meistens, eine Veränderung in der Organisation, in Teams oder bei Einzelpersonen herbeizuführen. Solche Ziele können etwa sein, den Teamzusammenhalt zu stärken, die Arbeitsmoral zu erhöhen oder Führungsfähigkeiten zu steigern.

Damit dies funktioniert, gilt es, die passende Versammlungsform zu wählen. Um dies zu erleichtern, erarbeitete Caplan das Konzept des Gathering-Effekts, bei dem es sich nicht wirklich um einen Effekt, sondern um ein Diagnose- und Aktionstool handelt: Es ermöglicht einerseits die Beschreibung von Versammlungen, kann andererseits aber auch zur Planung derselben eingesetzt werden, um einen gewünschten Effekt bei den Teilnehmenden zu erzielen.

«Gatherings» können laut Caplan auf zwei Achsen eingeteilt werden: Die vertikale Achse der Kontrolle gibt an, ob die Kommunikation einseitig vom Sender ausgeht («Push») oder eine Interaktion zwischen Sender und Empfänger stattfindet («Pull»). Die horizontale Achse der «Uniqueness» sagt aus, ob die gesendete Nachricht alle Anwesenden betrifft («One size fits all») oder ob sie sich für einzelne Personen unterscheidet («Personalized»).

Dies ermöglicht beispielsweise die Unterscheidung einer grossen Versammlung, bei welcher die neue Hausordnung präsentiert wird («Push»), welche alle Anwesenden betrifft («One size fits all») von einem interaktiven Workshop («Pull»), bei dem die Fähigkeiten einzelner Mitarbeiter geschult werden («Personalized»). Die Begriffe innerhalb der vier Quadranten – «entertained» (dt. unterhalten), «engaged» (dt. engagiert), «compliant» (dt. fügsam) und «informed» (dt. informiert) – stellen den Effekt dar, welcher mit den jeweiligen Versammlungsarten erreicht werden kann. Das Modell erlaubt somit eine einfache Einteilung und Gestaltung verschiedenster Versammlungsarten.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch: Caplans Gathering-Effekt wirkt zwar schlüssig und elegant, ob dem Modell aber eine theoretische Basis zugrunde liegt, wird von ihr nicht angegeben. Auch empirische Belege für dessen Wirksamkeit existieren bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

  

Praxistipp für Begleitungsprozesse

Was bringt mir dieses Wissen in der Praxis?

Wir als Begleitungspersonen können Caplans Modell in erster Linie dazu nutzen, um unsere eigene Kommunikation mit unseren Kundinnen und Kunden zu gestalten und zu verbessern. Besonders in Gruppensettings kann das Wissen, mit welchen Versammlungsformen welche Ziele am effektivsten erreicht werden können, von grossem Vorteil sein. Gleichzeitig können wir dieses Wissen aber auch an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben, damit diese ebenfalls davon profitieren können. Diese Unterstützung bei der Planung von Versammlungen dürfte besonders für Personen von Interesse sein, welche im Rahmen ihres Berufes mit der Durchführung von Veranstaltungen vertraut sind und mit diesen eine bestimmte Art von Veränderung erzielen möchten. Wir sollten uns aber dennoch der Limitationen des Modells, wie etwa der unklaren theoretischen Grundlagen, bewusst sein. Abgesehen davon bietet der «Gathering Effect» einen interessanten Blick darauf, wie Informationen bei sozialen Zusammenkünften vermittelt und Veränderungsprozesse angestossen werden können.

 

Quellenangaben

Caplan, L. (2020) The Gathering Effect. Verfügbar unter https://medium.com/@lindsey_ caplan/the-gathering-effect-d76cee64e38e [06.07.2020]

 

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