Für euch nachgefragt im Dezember 2019

Was bedeutet Wohlbefinden?

Begriffe rund um Coaching, Mentoring, Supervision und Resilienztraining wirkungsvoll erklärt

In diesem Monat haben wir bei Peter Bürki, Inhaber (Strategie/Finanzen), bezüglich des Begriffs «Wohlbefinden» nachgefragt. Im folgenden Text erläutert er, woher der Begriff stammt, was darunter zu verstehen ist und wie dieses Wissen in Begleitungsprozesse einfliessen kann.

 

Wohlbefinden

Definition

Wir Menschen streben unser gesamtes Leben nach Wohlbefinden. Wir möchten glücklich und zufrieden sein. Wir möchten uns gut fühlen. Hören wir den Begriff «Wohlbefinden», so schiessen uns gleich etliche Assoziationen durch den Kopf. Wir denken beispielsweise an ein warmes Getränk im eisigen Winter oder an lustige Abende mit unseren Freunden – Dinge, die etwas Positives in uns auslösen. Doch wie wird Wohlbefinden genau definiert?

Wohlbefinden ist ein sehr vielfältiges Konstrukt und kann auf verschiedene Arten erfasst werden. In der Theorie wird zwischen dem subjektiven und dem objektiven Wohlbefinden unterschieden (Bengel, 2009).

Objektives Wohlbefinden

Das objektive Wohlbefinden umfasst die von aussen beobachtbaren Lebensbedingungen einer Person. Bei dieser Art von Wohlbefinden wird davon ausgegangen, dass es durch objektive Verfahren erfasst werden kann. Dabei konzentriert man sich auf beobachtbares Verhalten oder medizinische Daten (z.B. die Messung der Körpertemperatur mithilfe eines Fieberthermometers) und vergleicht diese mit Normen, die vorgängig bestimmt wurden.

 

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Subjektives Wohlbefinden

Das subjektive Wohlbefinden hingegen bezieht sich auf das wahrgenommene Wohlbefinden eines einzelnen Menschen, für welches jeder einen eigenen individuellen Beurteilungsmassstab entwickelt (Frank, 2017). Der Fokus liegt auf dem Erleben des Wohlbefindens. Mit diesem subjektiven Empfinden gehen grosse individuelle Unterschiede einher. Um das subjektive Wohlbefinden zu erfassen, ist man daher auf die Aussagen der erlebenden Person angewiesen (Bengel, 2009), wofür verschiedene Fragebogen zur Verfügung stehen.

Das subjektive Wohlbefinden wird in der Forschung weiter unterteilt in eine emotionale Komponente und eine kognitive Komponente.

Emotionale Komponente

Jeder Mensch erlebt positive und negative Emotionen wie beispielsweise Enthusiasmus oder Angst. Diese emotionalen Empfindungen stellen eine Komponente des subjektiven Wohlbefindens dar. Verschiedene Studien konnten belegen, dass jedoch der Zusammenhang zwischen dem Erleben von positiven und negativen Emotionen verhältnismässig gering ist. Daher sollte man innerhalb des subjektiven Wohlbefindens immer beide Aspekte berücksichtigen. (Hübner, 2017).

 

Kognitive Komponente

Die kognitive Komponente umfasst die allgemeine Evaluierung des Lebens: Die Lebenszufriedenheit. Wir wägen bewusst die negativen und positiven Seiten unseres Lebens ab. Dies kann auf allgemeiner Ebene («Ich bin zufrieden mit meinem Leben, wie es momentan ist.») und auch auf bereichsspezifischer Ebene («Ich bin zufrieden mit meinem neuen Job» oder «Ich bin zufrieden in meiner Partnerschaft») geschehen (Hübner, 2017). Dies zeigt wie komplex und vielschichtig der Begriff des Wohlbefindens tatsächlich ist.

In den meisten Bevölkerungen korrelieren die emotionale und die kognitive Komponente moderat oder sogar sehr hoch. Die Literatur geht davon aus, dass sich Gefühlszustände und Urteile über die Zufriedenheit gegenseitig beeinflussen. Es kann jedoch auch sein, dass sich die beiden Komponenten unterscheiden. Man kann sich beispielsweise einen armen Künstler vorstellen mit hohem negativem und geringem positivem Affekt, der aber dennoch sein Leben als sehr zufriedenstellend bewerten würde (Hübner, 2017).

 

Praxistipp für Begleitungsprozesse

Was bringt mir dieses Wissen in der Praxis?

Die Verbesserung des Wohlbefindens ist oft von zentraler Bedeutung bei der Begleitung von Einzelpersonen. Unser Wohlbefinden beeinflusst uns in so vielen verschiedenen Bereichen. Zum Beispiel können positive Emotionen zu einer Verbesserung der Aufmerksamkeit und anderer kognitiver Prozesse führen (Hübner, 2017).

Das subjektive Wohlbefinden von Personen ergibt sich aus individuellen Überlegungen zu den Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden. Diese eigenen Überzeugungen, welche Faktoren zu Wohlbefinden führen und wie das Gefühl von Wohlbefinden erlebt wird, können bei unseren Kunden und Kundinnen sehr unterschiedlich ausfallen. Während die einen ein neues Projekt im Beruf als aufregend und spannend ansehen, empfinden die anderen gleiches Projekt womöglich als überfordernd und belastend. Oder manche Menschen finden Freude an Sport während andere an in der Musik aufgehen. Deshalb ist es sehr wichtig, diese individuellen Einflussfaktoren auf das subjektive Wohlbefinden bei unserem Gegenüber zu erfassen und sich im Klaren darüber zu sein, das subjektives Wohlbefinden von Person zu Person unterschiedlich erlebt wird. Diese persönlichen Überzeugungen können sich dann auch in Alltagstätigkeiten wiederspiegeln. Womöglich auch in riskanten oder gesundheitsgefährdenden Alltagstätigkeiten…

 

 

Quellenangaben

Bengel, J. (2009). Handbuch der Gesundheitspsychologie und medizinischen Psychologie (Vol. Band 12, Handbuch der Psychologie). Göttingen: Hogrefe.

Frank, R. (2017). Therapieziel Wohlbefinden: Ressourcen aktivieren in der Psychotherapie (3. Aufl.). Berlin Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.

Hübner, I. (2017). Subjektive Gesundheit und Wohlbefinden im Übergang in den Ruhestand. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

 

 

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