Für euch nachgefragt im Juni 2020

Was bedeutet Regeneration?

Begriffe rund um Coaching, betriebl. Mentoring, Supervision und Resilienztraining wirkungsvoll erklärt

In diesem Monat haben wir bei Stefanie Philipp, unserer Fachspezialistin Produkteentwicklung, bezüglich des Begriffs «Regeneration» nachgefragt. Im folgenden Text erläutert sie, woher der Begriff stammt, was darunter zu verstehen ist und wie dieses Wissen in Begleitungsprozesse einfliessen kann. 

Regeneration


Regeneration ist ein sehr vielseitiger Begriff. Man trifft ihn in den verschiedensten Wissenschaftsrichtungen an, wie etwa in der Biologie, in der Medizin oder auch in der Chemie. Er steht je nach Betrachtungsweise für andere Prozesse und wird dementsprechend unterschiedlich definiert. Etymologisch gesehen stammt der Begriff aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus dem Präfix re und dem Verb generare, was man zusammengesetzt mit wiedererzeugen oder wiederherstellen übersetzen kann. Im Folgenden soll der Begriff «Regeneration» aus der psychologischen Perspektive etwas näher beleuchtet werden.

Definition

Regeneration wird in der Psychologie im Bereich der Freizeitpsychologie behandelt, und zwar im Rahmen des sogenannten «Kompensationsansatzes». Gemeint ist damit der freizeitliche Ausgleich zu Belastungen während der Arbeitszeit. Es geht also darum, sich durch bestimmte Aktivitäten vom Arbeits- bzw. Berufsalltag zu erholen. Regeneration dient ausserdem der Förderung und Aufrechterhaltung der körperlichen und psychischen Gesundheit, der Wiedergewinnung von Energie, sowie der Prävention von Burnout und anderen psychischen Störungen.

Funktionen und Arten von Regeneration

Unser (Arbeits-)Alltag ist je nachdem, welcher beruflichen Tätigkeit wir nachgehen, sehr verschieden. Einige verrichten körperlich anspruchsvolle Arbeiten, andere verbringen ihre Arbeitszeit im Büro und üben Kopfarbeit aus. Dementsprechend unterschiedlich gestalten sich auch unsere Freizeitaktivitäten. Wer den ganzen Tag körperlich aktiv ist, freut sich abends wahrscheinlich darauf, die Beine hochlegen zu können (passive Erholung). Wer hingegen die meiste Zeit sitzend verbringt, der hat nach Arbeitsschluss vermutlich eher das Bedürfnis nach Bewegung oder einer anderen Art von Aktivität (aktive Erholung). Ein Gefühl, welches wir aber wohl alle kennen, ist jenes, welches sich am Ende einer anstrengenden Arbeitswoche einstellt: Man fühlt sich ausgelaugt. Die vielen kleineren und grösseren Herausforderungen der letzten Tage haben ihre Spuren hinterlassen. Man braucht eine Auszeit.

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Wichtig zu erwähnen ist, dass hier mit «Auszeit» nicht nur das Ausschlafen am Wochenende gemeint ist. Natürlich schadet es keineswegs, eine Mütze voll Schlaf abzubekommen – für die körperliche Regeneration ist dies sogar unumgänglich. Um auch einen mentalen Ausgleich zu erlangen, reicht dies allerdings noch nicht aus. Freizeit bietet hier die Möglichkeit, Bedürfnisse zu erfüllen, welche bei der Arbeit unbefriedigt geblieben sind. Wer am Arbeitsplatz etwa Leistungsdruck erlebt, sucht sich Spass und geistige Erquickung am Wochenende oder in den Ferien. Wer berufsbedingt nur wenig Kontakt zu anderen Menschen pflegen kann, holt Sozialkontakt und menschliche Nähe bei Freunden und Familie nach (Heinzlmaier, 1999).

Regeneration – nach und während der Arbeit

Freizeit und Ferien bieten uns also die Gelegenheit, uns zu erholen, neue Energie zu tanken und Aktivitäten nachzugehen, die uns Freude bereiten. Erholung sollte man sich jedoch nicht nur am Wochenende und in den Ferien gönnen. Wichtig ist, sich auch an regulären Feierabenden unter der Woche etwas Gutes zu tun. So führen entspannende und körperliche Aktivitäten nach der Arbeit zum Beispiel zu einem gesteigerten Wohlbefinden beim zu Bett gehen. Vermeiden sollte man daher, sich selbst nach Büroschluss noch mit Dingen zu beschäftigen, welche mit dem Job zusammenhängen. Oft ist dies leichter gesagt als getan, doch das Abschalten von der Arbeit ist extrem wichtig. Studien zeigen: Wer sich am Vorabend entspannt, startet mit einer gesteigerten Eigeninitiative und erhöhtem Arbeitsengagement in den folgenden Tag (Sonnentag, 2003).

Kommt man morgens an seinem gewohnten Arbeitsplatz an, sollten die Gedanken an Erholung und Regeneration aber auch nicht bis zum Feierabend aufgeschoben werden. Regelmässige Pausen während der Arbeit haben einen regenerativen Effekt und tragen damit zur Erholung bei. Eine gute Pausengestaltung ist enorm wichtig, aber auch nicht gerade einfach umzusetzen – sie geht im hektischen Alltag leider allzu oft vergessen. Ermüdung und Aufmerksamkeitsverlust sind stattdessen die Folge. Dabei können regelmässige kleinere Pausen nicht nur die Regeneration, sondern zugleich auch die Tages­leistung erhöhen: Sie wirken Spannungsgefühlen entgegen und führen zu verringertem Adrenalingehalt im Blut (Meijman, Mulder, van Dormolen & Cremer, 1992). Eine Pause sollte jeweils eingelegt werden, kurz bevor ein Leistungsabfall vermutet wird. Dann gilt es, den Arbeitsplatz zu verlassen und den Kopf durchzulüften. Wer bei der Arbeit lange stillsitzen muss, sollte auch versuchen, sich etwas zu bewegen. Falls man über die Mittagspause ein ruhiges Plätzchen findet, kann man auch ein kleines Mittagsschläfchen machen: Wer sich etwa 20 Minuten nach dem Mittagessen hinlegt, erhöht damit seine Aufmerksamkeit für die zweite Tageshälfte, wobei auch kein negativer Einfluss auf die Schlafqualität während der Nacht zu befürchten ist (Takashashi, Nakata, Haratani, Ogawa & Arito, 2004).

 

Praxistipp für Begleitungsprozesse

Was bringt mir dieses Wissen in der Praxis?

Natürlich schreiben wir unseren Kundinnen und Kunden nicht vor, wie sie ihre Freizeit verbringen sollen. Wir können ihnen aber individuelle Anregungen bieten, wie sie ihre Ferien, Wochenenden, Feierabende und Pausen gestalten können, um sich möglichst gut zu erholen. Wir können ihnen zudem aufzeigen, welche Vorteile es bringen kann, wenn man auch nach Büroschluss noch aktiv zu ist (z.B. gesteigertes Wohlbefinden) oder während der Arbeit öfter einmal eine Pause einlegt (z.B. gesteigerte Aufmerksamkeit). Bei der Pausengestaltung haben wir schliesslich die Möglichkeit, gleich selbst mit gutem Beispiel voranzugehen: Bei längeren Sitzungen, Seminaren oder sonstigen Veranstaltungen können wir regelmässige Unterbrüche einlegen, angenehme Pausenräume zur Verfügung stellen und die Möglichkeit zum Frische-Luft-Schnappen bieten. Regeneration kann nämlich in den verschiedensten Situationen gefördert werden, nicht nur in der Freizeit. Und das sollte sie auch, denn sie trägt einen wichtigen Teil zu unserem allgemeinen Wohlbefinden und zu unserer beruflichen Leistungsfähigkeit bei. Schauen wir also gut zu uns selbst und nutzen wir die warmen Sommermonate, wann immer möglich, um uns wieder einmal richtig zu erholen.

 

Quellenangaben

Heinzlmaier, B., Hahn, M. & Zentner, M. (1999). Jugendarbeit und Freizeitbedarf in Österreich: Situation und Bedarf. Forschungsbericht. Wien: Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie

Meijman, T., Mulder, G., van Dormolen, M., & Cremer, R. (1992). Workload of driving examiners: A psychophysiological field study. In: H. Kragt (Ed.), Enhancing Industrial Performance: Experiences of integrating the human factor (pp. 245-258). London: Taylor & Francis.

Sonnentag, S. (2003). Recovery, work engagement, and proactive behavior: A new look at the interface between nonworkand work. Journal of Applied Psychology, 88, 518-528.

Takashashi, M., Nakata, A., Haratani, T., Ogawa, Y., & Arito, H. (2004). Post-lunch nap as a worksite intervention to promote alertness on the job. Ergonomics, 47, 1003-1013.

  

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