Haltung und Kultur – Was Agilität und Coaching gemeinsam haben

Sowohl Agilität als auch Coaching zeichnen sich durch eine breite und vielfältige Werkzeugpalette aus. Konkrete Tools und Methoden, die ein bestimmtes Ziel anstreben, sind auf alle Fälle nützlich und im Idealfall auch gewinnbringend. Doch sie sind nicht alles…

Von Sonja Kupferschmid Boxler, Coachingzentrum Olten GbmH

Agilität – ein Schlag- und Trendwort, von welchem man nach wie vor viel liest, hört und sieht. Durch diese Popularität wird Agilität zunehmend als Allheilmittel wahrgenommen. Häufig wird der Begriff allerdings auch zu kurz gefasst.

Agilität – eine Symbiose aus Technik und Kultur

Grundsätzlich beschreibt Agilität die Fähigkeit eines Systems, flexibel auf Veränderungen der Aussen- oder Innenwelt zu reagieren – sprich anpassungsfähig zu sein. Bei Agilität in Unternehmen denken viele in erster Linie an innovative Prozesse und agile Methoden. Was häufig vergessen wird, ist der kulturelle Aspekt.

Diebold, Küpper und Zehler (2015) sprechen beim Agilitäts-Begriff von einer Symbiose aus Technik und Kultur und differenzieren wie folgt:

  • Technische Agilität: umfasst den Einsatz agiler Methoden (z.B. Scrum) sowie deren verschiedenen agilen Praktiken (z.B. Daily Stand-Up).
  • Kulturelle Agilität: beschreibt das Leben und die Verinnerlichung von agilen Denkweisen, Werten und Prinzipien (z.B. Verantwortung, positive Fehlerkultur).

Der Ausdruck «Symbiose» verdeutlicht, dass diese zwei Arten von Agilität eng miteinander verknüpft bzw. voneinander abhängig sind: Die Umsetzung agiler Methoden setzt das Vorhandensein gewisser kultureller Werte voraus – und umgekehrt.

Was die technische von der kulturellen Agilität unterscheidet, ist deren Sichtbarkeit. Der Einsatz agiler Methoden oder Praktiken kann durch das Beobachten konkreter Handlungen (z.B. tägliches Meeting eines Teams) erkannt werden. Die kulturelle Agilität hingegen ist implizit und nur schwer beobachtbar: Sie zeichnet sich durch eine verinnerlichte Haltung aus und kann, wenn überhaupt, nur durch Rituale, Leitbilder oder sichtbares Gruppenverhalten wahrgenommen werden. Dafür soll die Wirkung der kulturellen Agilität umso grösser sein.

Klar ist: Agilität ist mehr als ein Topf aus agilen Methoden wie Scrum & Co. Was zählt, ist die agile Haltung, das «agile Mindset», welches Organisationen leben.

 

Coaching – auch mehr als Tools & Methoden

Gleiches gilt für das Coaching: Ein guter Coach verfügt über einen Rucksack an Methoden, die er bei der Begleitung von Personen, z.B. beim Bearbeiten arbeitsplatzbezogener Fragestellungen, einsetzen kann. Die Haltung, mit der er/sie dem Gegenüber begegnet, spielt aber eine noch viel zentralere Rolle.

Mit anderen Worten: Auch das Coach sein umfasst mehr als Tools und Methoden. Wichtig ist das (Vor-)Leben einer Coachinghaltung, welche die eingesetzten Werkzeuge zum Gedeihen bringt.

Agilität und Coaching haben also Eines gemeinsam: Beides wird immer wieder mit einem explosiven «Methoden-Feuerwerk» verwechselt. Dabei ist die dahinterstehende Haltung das entscheidende Schatzstück, das die Tools und Methoden zum Leben erweckt.

 

Der Weg zum agilen Mindset

Eine weitere Gemeinsamkeit von Agilität und Coaching ist die Tatsache, dass das Ziel nicht von heute auf morgen erreicht werden kann. Beides braucht Zeit und entsteht im Prozess. Coaches und betriebl. Mentor/-innen können Unternehmen durch das Vorleben einer wertschätzenden und lösungsorientierten Haltung auf dem Weg zu einem agilen Mindset unterstützen und im Sinne der Weiterentwicklung von Mitarbeitenden einen Beitrag in Richtung Agilität leisten.


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