Hybrides Arbeiten – Teams und Führungskräfte in der neuen Arbeitswelt als Teamcoach unterstützen

Die Arbeit im Home-Office ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken. In den letzten anderthalb Jahren haben wir uns alle an das Arbeiten in den eigenen vier Wänden gewöhnt. Nun ist in zwar vielerorts eine Rückkehr ins Büro im Gange, doch das Bedürfnis nach einer Kombination aus Home-Office und klassischem Büroarbeitsplatz ist gross. Viele Unternehmen setzen daher auf hybrides Arbeiten. Für Führungskräfte und Teams ist diese neue Arbeitsform mit neuartigen Herausforderungen verbunden – ein Feld, wo Teamcoaches im Hinblick auf gelingendes Zusammenarbeiten und Führen unterstützen können. 

Von Sonja Kupferschmid Boxler, Coachingzentrum Olten GbmH, erschienen in ERFOLG, 9/2021 


Die Zeiten, in denen die Mitarbeitenden alle zu hundert Prozent im Büro arbeiteten, sind spätestens seit Frühling 2020 vorbei. Durch die Erfahrung, dass Zusammenarbeit auch virtuell gelingen kann und die Home-Officeresp. Remote-Arbeit eine Reihe an Vorteilen mit sich bringt, möchte man auf die damit einhergehende Flexibilität zukünftig nicht mehr verzichten. Dennoch stellt das Büro ein wichtiger Ort für persönliche Begegnungen dar. Aus diesem Grund gewinnt das hybride Arbeiten immer mehr an Zuspruch. 

Hybrides Arbeiten – das Arbeitsmodell der Zukunft 
Hybrides Arbeiten (engl. hybrid work) beschreibt eine neue Arbeitsform und stellt eine Mischung aus dem (klassischen) Arbeiten im Büro und dem mobilen bzw. halbmobilen Arbeiten dar. Hybride Arbeitsmodelle kombinieren Präsenz- und Remote-Arbeit und gelten als Arbeitsmodelle der Zukunft, die Raum für individuelle Bedürfnisse und Lebenssituationen schaffen und damit unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden. Aus- und Weiterbildung Aus- und Weiterbildung Während die einen Mitarbeitenden eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben brauchen und daher froh sind, wieder ins Büro zurückkehren zu können, möchten die anderen die Vorzüge und Flexibilität nicht missen und lieber nach wie vor vermehrt von zu Hause aus oder an einem Arbeitsort ihrer Wahl arbeiten. Und genau da setzen hybride Arbeitsmodelle an: Im Idealfall haben die Mitarbeitenden beim hybriden Arbeiten die Wahl, wie, wann und vor allem wo sie am besten arbeiten. Damit können sie die Anforderungen des Berufs- und Privatlebens für sich stimmig in Einklang bringen. 

Herausforderungen für Teams und Führungskräfte 
Ein Team, das in hybrider Form zusammenarbeitet, begegnet ähnlichen Herausforderungen wie virtuelle Teams, die räumlich und zeitlich voneinander getrennt sind. Beim Arbeiten auf Distanz findet ein bedeutsamer Teil der Zusammenarbeit nicht face-to-face, sondern virtuell statt. Dadurch sind neue Kommunikationswege und Informationsflüsse gefragt und es ergeben sich zahlreiche Herausforderungen wie z.B. der Umgang mit digitalen Kommunikationsmedien, das Fehlen situativer Hinweisreize oder auch die Vernachlässigung der Beziehungsebene (Handke & Kauffeld, 2019) 

Damit stehen auch Führungskräfte vor neuen Herausforderungen: Ihre Aufgabe ist es, hybride Teams – also diejenigen Mitarbeitenden, die im Home-Office arbeiten und diejenigen, die am Arbeitsplatz präsent sind, auf Distanz zum gemeinsamen Erfolg zu führen. Gutes kollaboratives Arbeiten muss sichergestellt und auch der Zusammenhalt des Teams verstärkt gefördert werden. 

Teamcoaching – Teamcoaches als Wegbegleiter 
An dieser Stelle kommen Teamcoaches als Wegbegleiter ins Spiel. Sie unterstützen Teams beim Einfinden und Gestalten einer gelingenden hybriden Zusammenarbeit, indem sie in einem ersten Schritt mit ihnen ein gemeinsames Selbstverständnis erarbeiten und Ziele und Rollen klären. Dabei werden Grundsatzfragen bearbeitet wie: Wer sind wir? Wofür stehen wir? Was sind unsere Ziele und handlungsleitenden Prinzipien? Wer übernimmt welche Rolle(n)? 

In einem nächsten Schritt werden passende Arbeitsformen und geeignete Kommunikationswege diskutiert und definiert. Dabei lohnt sich ein Blick zurück: Wie haben wir das Arbeiten im Team während der Home- Office-Zeit gestaltet? Was hat funktioniert, was weniger? Was waren Vorteile oder Nachteile? Was war herausfordernd? Was bedeutet dies im Hinblick auf unser zukünftiges Zusammenarbeiten? 

Ziel ist es, Erkenntnisse und Massnahmen abzuleiten, um im hybriden Setting eine produktive und gesunde Zusammenarbeit zu gewährleisten. Auch das Schaffen von Vertrauen, die Stärkung des Wir-Gefühls und der Aufbau einer hybriden Arbeitskultur sind Aspekte, die im Rahmen eines Teamcoachingprozesses – abgestimmt auf die Bedürfnisse des Teams – bearbeitet werden. 

Darüber hinaus begleiten Teamcoaches auch Führungskräfte im Umgang mit den neuen Herausforderungen, die durch das hybride Arbeiten auf Führungsebene entstehen. Dabei wird im Rahmen von Einzelcoachings reflektiert, was es heisst und braucht, um hybride Teams zu führen und wie der Zusammenführungsprozess – also die (Teil-)Rückkehr ins Büro – optimal gestaltet werden kann. Weiter können Teamcoaches Führungskräfte dabei unterstützen, in dieser Umbruchphase aufmerksam hinzusehen, Warnzeichen zu erkennen und selbst für Unterstützung zu sorgen: Welche Teammitglieder zeigen welche Verhaltensweisen? Wer wirkt gestresst oder gar belastet? Wer klinkt sich bei der Kommunikation im Team aus? Wie kann ich als Führungsperson dabei unterstützend handeln? 

Ein Blick in die Praxis: Als Teamcoach in der hybriden Welt unterwegs 
Rahel Hohl, Absolventin des Lehrganges Supervision und Teamcoaching, ist heute als Teamcoach und Scrum Master in der neuen, hybriden Arbeitswelt unterwegs. Wie sich die Arbeit im Home-Office für die Teams, die sie begleitet, anfühlt(e), weiss sie aus eigener Erfahrung. Im Herbst 2020 berichtete sie: «Seit März 2020 arbeite ich nun schon im Home- Office und das wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern. Zunächst hatte ich deswegen das Gefühl, eingeschlossen zu sein. Jetzt hingegen, nach über einem halben Jahr, habe ich gar nicht mehr den grossen Wunsch, das sichere Umfeld zu verlassen.» 

Wenn Rahel Hohl Teams begleitet – sei es digital, live oder in Kombination – setzt sie auf Tools, mit denen sie den Mitarbeitenden erklären kann, wie die Entwicklungs- und Veränderungsprozesse, die z.B. im Zusammenhang mit der Einführung hybrider Arbeitsmodelle einhergehen, ablaufen: «Mir ist es sehr wichtig, dass ich transparent arbeite und authentisch bin. Indem ich die Tools erkläre, gibt das dem Team zugleich Stärke und Gelassenheit. Das gibt allen ein besseres Verständnis der aktuellen Situation. Und nicht zuletzt unterstützt es zu verstehen, dass jeder verschiedene Schritt in einem Entwicklungs- und Veränderungsprozess durchläuft.» 

Als zentrale Fähigkeit eines Teamcoaches sieht sie neben Empathie auch die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen: «Für mich sagt der Spruch «In den Schuhen des anderen gehen» aus, um was es bei Supervision und Teamcoaching geht: Um Zuhören, die Perspektive des Gegenübers und des Teams einzunehmen, die Gedanken anderer nachzuvollziehen, jedoch ohne zu werten. Dafür braucht man viel Empathie. Es braucht zudem die Fähigkeit, Vertrauen zu anderen aufzubauen respektive deren Vertrauen zu gewinnen, damit sich ein Team öffnen und die Zusammenarbeit – auch in hybrider Form – funktionieren kann.» 

Vertrauen führt 
Vertrauen ist auch für Teams und Führungskräfte im Hinblick auf das gemeinsame Unterwegs sein in der neuen, hybriden Arbeitswelt das zentrale Schlüsselelement. Gerade bei Führung auf Distanz sind eine vertrauensvolle Basis und gegenseitige Wertschätzung bedeutsamer als je zuvor. Umso wichtiger ist es, als Führungsperson zu wissen, wie Vertrauen im Team und zu einzelnen Mitarbeitenden aufgebaut und gelebt werden kann und was die entscheidenden (Geheim-)Zutaten sind. Denn Vertrauen führt und gilt als Beziehungsgrundstein – egal in welcher Form man sich begegnet. 

Literatur 
Handke, L., & Kauffeld, S. (2019). Alles eine Frage der Zeit? Herausforderungen virtueller Teams und deren Bewältigung am Beispiel der Softwareentwicklung. Gruppe. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für Angewandte Organisationspsychologie (GIO), 50, 33-41.

 

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