IZB-Literaturtipp im April 2021

Alle, ausser mir


Melandri, Francesca (2018)

btb-Verlag, München
608 Seiten, Taschenbuch, ca. 19 Franken


Kennen Sie Ihren Vater? Wissen Sie, wer er wirklich ist? Kennen Sie seine Vergangenheit? Die vierzigjährige Lehrerin Ilaria hätte diese Fragen wohl mit «ja» beantwortet, und auch ihre Familie glaubte sie zu kennen – bis eines Tages ein junger Afrikaner auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung in Rom sitzt und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. Von hier aus entfaltet die Autorin Francesca Melandri eine eindrückliche Familiengeschichte über drei Generationen und ein schonungsloses Porträt der italienischen Gesellschaft.

[istart]

Unsere Einschätzung

Inhalt: ★★★★★
Darstellung: ★★★★★
Praxisbezug: ★★★

[iende] 

Der vielschichtige Roman, der geografisch zwischen Italien, Libyen und Äthiopien pendelt, spannt einen Bogen vom Rassismus der Kolonialzeit zur aktuellen Flüchtlings- und Migrationsdebatte. Die Autorin beschreibt auf eindrucksvolle Weise, wie im Alltag totalitäre und rassistische Strukturen hervorgebracht werden und stellt mit ihrem Roman Schlüsselfragen unserer Zeit, die uns alle angehen: Was bedeutet es zufällig im «richtigen» oder «falschen» Land und zur «richtigen» oder «falschen » Zeit geboren zu sein, und wie entsteht das Gefühl von Zugehörigkeit? Das macht den Text extrem aktuell.

Francesca Melandri, geboren in Rom, hat sich in Italien als Autorin von Romanen und Drehbüchern für Kino- und Fernsehfilme einen Namen gemacht. «Alle, ausser mir» ist ihr aktueller Roman.

 

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