IZB-Literaturtipp im Dezember 2020

Jagt sie weg


Vecchio, Concetto (2020)
Orell Füssli Verlag, Zürich, 224 Seiten, Taschenbuch, ca. 24 Franken


1968 lanciert Nationalrat James Schwarzenbach eine Initiative mit dem Ziel, die Überfremdung der Schweiz zu verhindern und mehr als 300 000 vorwiegend italienische Gastarbeiter nach Hause zu schicken. Dies ist der Startschuss zu einer beispiellosen Hetzkampagne, die über Jahre andauert, die Schweizer Bevölkerung entzweit und 1970 nur hauchdünn verworfen wird.

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Inhalt: ★★★★★
Darstellung: ★★★★★
Praxisbezug: ★★★★

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In seinem halb autobiografischen, halb historischen Buch erzählt Concetto Vecchio von seinen Eltern, einfachen Sizilianern, und von weiteren Migranten, die in den 1960er-Jahren ihr Glück in der Schweiz suchten, aber auf unverhohlenen Fremdenhass stiessen, als Arbeitskräfte ausgebeutet und als Menschen ausgegrenzt wurden.

Unerbittlich lässt Vecchio die beiden Welten aufeinanderprallen: diejenige von Schwarzenbach, der als Vorläufer der heutigen Rechtspopulisten gilt, sowie diejenige der entwurzelten Gastarbeiter, die dem Nachbarland einen Wirtschaftsboom bescherten und dennoch auf Hass und Ablehnung stiessen. So unvorstellbar die institutionelle Diskriminierung und der soziale Ausschluss der Italiener aus heutiger Sicht sind, so zeigt der Rückblick dennoch, dass sich an der Debatte inhaltlich wenig geändert hat.

Concetto Vecchio ist als Kind italienischer Gastarbeiter 1970 in der Schweiz geboren. Als er 14 Jahre alt war, zog die Familie zurück nach Sizilien. Vecchio arbeitet als Politikjournalist für die Tageszeitung «Repubblica», ist Autor diverser Bücher und lebt in Rom.

 

 

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