Literaturtipp im November 2020

Kalisch, R. (2017)

Der resiliente Mensch

Wie wir Krisen erleben und bewältigen

«Was soll diese Resilienz-Forschung überhaupt?» Diese und weitere provokative Fragen beantwortet Prof. Dr. Raffael Kalisch in seinem neusten Werk «Der resiliente Mensch». Kalisch ist ein renommierter Neurowissenschaftler im Bereich der Resilienz-Forschung, Professor für Bildgebung des menschlichen Gehirns, Gründungsmitglied des Deutschen Resilienz Zentrums (DRZ) und vieles mehr. Mit seinem neuen Buch schafft er eine vielschichtige und wissenschaftliche Sicht auf das Thema Resilienz. Kalisch schreibt differenziert und optimistisch – ein Buch, das definitiv zum Nachdenken anregt.

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Inhalt: ★★★★★
Darstellung: ★★★★
Praxisbezug: ★★★

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Als Leserin oder Leser wird man gleich zu Beginn mit einem spannenden Fallbeispiel in den Bann gezogen. Schnell wird klar, dass sich Dr. Raffael Kalisch vorgenommen hat, dem Rätsel «Was ist Resilienz eigentlich?» tiefschürfend auf den Grund zu gehen. In einem ersten Schritt geht Kalisch auf die Definition des Begriffes Resilienz ein. Er hebt hervor, dass Resilienz keine Fähigkeit oder Eigenschaft ist. Kalisch definiert Resilienz als die Aufrechterhaltung oder schnelle Wiederherstellung der psychischen Gesundheit während und nach Widrigkeiten. Im Rahmen der PASTOR-Theorie von Kalisch und Kollegen (2015) wird die Wichtigkeit der Bedrohungsbewertung für die Resilienzförderung beschrieben. Der persönliche Bewertungsstil kann gemäss Kalisch über Erfahrungen verändert werden, dies geschehe aber nicht über Nacht! In einem zweiten Schritt geht Kalisch auf die methodische Messbarkeit von Resilienz ein und postuliert hier unter anderem seine kritische Meinung gegenüber herkömmlichen Fragebögen. Nach Kalisch müssen für eine repräsentative Messung die Beanspruchung und die psychische Gesundheit über eine gewisse Zeit hinweg betrachtet werden, was oft nicht möglich ist. In einem dritten Teil geht Kalisch auf die Geschichte der Resilienz-Forschung ein. Was langweilig tönt, versteht Kalisch dank vielen lebensnahen Beispielen und einer lockeren Sprache zu einem spannenden Erlebnis zu gestalten. Über das ganze Buch hinweg bleibt Kalisch mutig und fragt unter anderem nach, ob es nicht besser wäre den Stress zu reduzieren, anstatt die Menschen stressresistenter zu machen? Kalisch wägt die potenziellen Gefahren und Chancen der Resilienz-Forschung ab und kommt zum Ergebnis, dass sich eine Auseinandersetzung in jedem Fall lohnt! Das Buch «Der resiliente Mensch» bietet zahlreiche Erörterungen wichtiger Studien, viele Fallbeispiele und nicht zuletzt eine gute Prise Humor. Zudem findet sich auf den letzten Seiten ein Glossar, welches das Werk gelungen abrundet.

Ein Buch, dass die Neurowissenschaft für Laien verständlich macht und das Thema der Resilienz auf der Ebene der Methodik und Hirnforschung für jeden Mann/jede Frau erschliessen lässt. Kalisch schafft es, die verschiedenen Perspektiven der Hirnforschung und der psychologisch-sozialen sowie subjektiven Sichtweisen zu verknüpfen.

Ein Muss für Alle, die sich für Stressresistenz und Widerstandskraft interessieren, sich für aktuelle Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft begeistern können und sich als Coach oder Trainer/-in vertieft mit dem Thema Resilienz beschäftigen wollen.

   

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