Online Coaching – ein wirkungsvolles Format mit Zukunftspotential

Der digitale Fortschritt ermöglicht uns, orts- und zeitunabhängig miteinander zu kommunizieren – ein Aspekt, der auch im Coaching neue Möglichkeiten eröffnet. Online Coaching ist ein junges Format, das insbesondere im aktuellen Jahr ein sichtbares Wachstum erfahren hat. Wie es um die Wirksamkeit von online-basierten Beratungen und Begleitungen steht und auf welche Kompetenzen es im Speziellen ankommt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Von Sonja Kupferschmid Boxler, Coachingzentrum Olten GbmH, erschienen in ERFOLG, Ausgabe 11/12, 2020

Die Zeiten, in denen wir Menschen uns ausschliesslich im direkten, persönlichen Kontakt begegneten, sind vorbei. Nicht nur bei der Arbeit, auch in allen anderen Lebensbereichen kommunizieren wir mehrheitlich über virtuelle Kanäle. Dies macht uns orts- und zeitunabhängig und spart Zeit, teilweise sogar Energie.

Auch Beratungen und Begleitungen finden heute vermehrt in digitaler Form statt. Gerade im Coaching ist ein Zuwachs an Online-Angeboten beobachtbar. Diese Entwicklung wurde zwar durch die Herausforderungen der letzten Monate angekurbelt, ist jedoch keineswegs allein darauf zurückzuführen. Der Trend weg vom klassischen hin zum digitalen Begleitungssetting hat sich bereits davor angekündigt – angetrieben durch die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt und dem wachsenden Bedürfnis, wenn immer möglich flexibel und mobil zu sein.

Online Coaching – was versteht man darunter?
Wenn es um das Verständnis von «Online Coaching» geht, herrschen aufgrund der grossen Begriffsvielfalt einige Unklarheiten. Online Coaching kann als eine Bezeichnung für computergestütztes, multimediales und interaktives Vorgehen betrachtet werden. Online Coaching besitzt allerdings viele synonyme Begriffe. Dazu gehören das E-Coaching, Tele-Coaching, virtuelles Coaching und digitales Coaching. Darüber hinaus kann Online Coaching in vielfältigen Formen durchgeführt werden. Zu den bekannten Formaten gehören Video-, Chat-, Telefon- und E-Mail-Coaching.

Fakten und Mythen
Da das Online Coaching als ortsunabhängige Dienstleistung stark zugenommen hat, sind viele Mythen rund um dessen Eigenschaften und Wirkungen entstanden. Anhand von Studien hat sich die Wissenschaft mit einigen dieser Annahmen auseinandergesetzt und versucht, den «wahren» Kern zu ermitteln. Die Aussage «Eine gute Begleitungsperson ist nicht automatisch ein guter Online-Coach» konnte beispielsweise durch Berninger- Schäfer (2020) bestätigt werden, da im Online Coaching viele zusätzliche Fähigkeiten, wie z.B. der Einsatz von Online-Tools oder eine gewisse technische Affinität, benötigt werden. Die breit vertretene Annahme, dass die beim Online Coaching auftretenden Defizite der Kommunikation nicht kompensiert werden können, ist hingegen ein Mythos, welcher Berger (2015) mit einer Studie aufdecken konnte. Besonders bei Gesprächen über Videochats können einige Kommunikationsprobleme umgangen werden, da zum Beispiel die Gefühle stärker verbalisiert werden.

Digital vs. physisch – das sagt die Forschung
Wenn es um den Vergleich zwischen klassischer, physischer Begleitung und digitalem Coaching geht, werden in der Wissenschaft vor allem Untersuchungen zur Wirksamkeit von Interventionen und zur Beziehungsgestaltung gemacht. Da es sich bei Online Coaching um ein relativ neues Format handelt, existiert bis anhin nur wenig Forschung zu dessen Wirksamkeit. Erste Ergebnisse zu Online-Interventionen im Allgemeinen stimmen jedoch optimistisch.

Untersuchungen von Kuenzli (2019) konnten zum Beispiel zeigen, dass durch Online-Interventionen im Psychotherapiebereich dieselben kognitiven Veränderungsprozesse angestossen werden wie bei einer Face-to- Face-Therapie. Es ist sogar so, dass viele Personen Beratungsangebote eher in Anspruch nehmen, wenn sie online durchgeführt werden. Einerseits aufgrund der empfundenen Anonymität und andererseits wegen der Zeitund Ortsunabhängigkeit (Andersson et al. 2014). Da beim Online Coaching Informationsquellen aus der direkten Kommunikation wegfallen, ist dafür die Fähigkeit, unvollständige oder reduzierte sinnliche Wahrnehmungen zu ergänzen, gefragt (Loebbert 2020).

Die empirischen Erkenntnisse zur Beziehungsgestaltung zeigen, dass im digitalen Setting vergleichbar gute und tragfähige Beziehungen aufgebaut werden können. Es ist also möglich eine vertrauensvolle Beziehung und ein Gefühl von Nähe zu erreichen. Als Kompensation für die Defizite der Kommunikation, aufgrund der wegfallenden nonverbalen Signale, ist der effektvolle Einsatz der Stimme hilfreich. Bei hoch emotionalen Themen hat eine Studie von Friesenhahn und Taylor (2019) allerdings gezeigt, dass die Wirksamkeit von Online Coaching an ihre Grenzen stösst.

Eine Frage der (digitalen) Kompetenz
Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass Online Coaching eine Reihe an Herausforderungen mit sich bringt, die sich durch einen gekonnten Umgang aber gleichzeitig auch zu Chancen entwickeln lassen. Schlussendlich liegt vieles in der Hand der Beratungs- bzw. Begleitungsperson und deren Kompetenz, digital zu begleiten. Online Coaching erfordert, neben technischen Fähigkeiten und Kenntnissen zum Thema Datenschutz, eine Anpassung der Coachingprozesse, des Coachingverhaltens und der Coachingtools. Darüber hinaus gilt eine bewusstes Beziehungspflege als zentrale Basis, damit sich die Wirkung des Online Coachings voll und ganz entfalten kann.

Grosses Zukunftspotential – auch für KMU
Unter diesen Voraussetzungen stellt Online Coaching auf jeden Fall ein zukunftsfähiges Format mit Potential dar. Nicht nur für grosse Unternehmen, sondern auch für KMU, lohnt es sich, online-basierte Begleitungen in Anspruch zu nehmen. Denn Online Coaching überzeugt durch sein einfaches und unkompliziertes Handling – und die Möglichkeit, auf plötzliche Fragen rasche Antworten zu bekommen.

  

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