Resilienz als Schlüssel zum (Unternehmens-)Erfolg

Organisationen, die resilientes Verhalten betriebsintern bewusst fördern und fordern, gelten als langfristig erfolgreicher. Gezielte und ganzheitliche Resilienzförderung stellt für Unternehmen allerdings nicht nur ein klarer Wettbewerbsvorteil dar, sondern ist auch Teil eines nachhaltigen betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Von Sonja Kupferschmid Boxler, Coachingzentrum Olten GbmH, in personalSCHWEIZ, Ausgabe 9

Je länger, je mehr haben Unternehmen mit den vielfältigen Dynamiken ihres Umfeldes zu kämpfen. Sich rasant verändernde Marktbedingungen, technische Fortschritte im Eiltempo und unvorhersehbare Krisen stellen bisherige Realitäten auf den Kopf und bringen bewährte Strategien ins Stocken. Nach dem VUKA-Begriff ist die Umwelt von Unternehmen zunehmend unbeständig, unsicher, komplex und mehrdeutig, was neue Denk- und Handlungsweisen erfordert.

Herausforderungen dieser Art sind im wirtschaftlichen Kontext heute allgegenwärtig – und leider auch unausweichlich. Denn die Gegebenheiten und Entwicklungen der Umwelt lassen sich nur schwer steuern. Was allerdings beeinflusst werden kann, ist der Umgang mit ihnen.

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IST IHR UNTERNEHMEN RESILIENT UNTERWEGS?

Reflektieren Sie die organisationale Resilienz Ihres Unternehmens, indem Sie die folgenden Aussagen beurteilen (in Anlehnung an den Fragebogen ADAPTER von van der Beek & Schraagen, 2015):

 

Reaktion im Team:

 

  • Meine Teams können eine unerwartete Situation oder ein unerwartetes Ereignis gut unter Kontrolle behalten.
  • Es ist klar, wer in meinen Teams die Leitung übernimmt, wenn wir darauf reagieren müssen.
  • Meine Teams sind gut im Improvisieren, wenn wir unerwartete Dinge lösen müssen.

 

Transformationale Führung:

 

  • Meine Mitarbeitenden betrachten Probleme von vielen verschiedenen Seiten.
  • Meine Mitarbeitenden reden optimistisch über die Zukunft.
  • Meine Mitarbeitenden fokussieren darauf, die gegenseitigen Stärken zu verbessern.

 

Organisationale Unterstützung:

 

  • Mein Unternehmen schafft Anreize für die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Teams.
  • Mein Unternehmen stellt angemessenes Material und ausgebildetes Personal zur Verfügung.
  • Die Aus- und Weiterbildungen meines Unternehmens zielen darauf ab, Wissen, Kompetenzen und Erfahrungen zu verbessern.

 

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(Organisationale) Resilienz – das Konzept der Widerstandsfähigkeit

Gemeint ist die Entwicklung einer inneren Widerstandsfähigkeit, auch Resilienz genannt. «Resilienz» beschreibt die Fähigkeit, Herausforderungen durch Rückgriff auf persönliche Ressourcen zu bewältigen und sie gleichzeitig als Anlass für (Weiter-)Entwicklung zu nutzen. Das folgende Beispiel soll illustrieren, was dies auf individueller Ebene bedeutet.

Beispiel: Mitarbeiter M. hat aufgrund eines überraschenden Kundenansturms aussergewöhnlich viele Aufgaben zu erledigen. Durch seine optimistische Einstellung gelingt es ihm jedoch, den Kopf über Wasser zu halten. Er versucht, stets Ruhe zu bewahren und den Überblick zu behalten. Merkt er, dass er eine Pendenz nicht rechtzeitig erledigen kann, so bittet er seine Teamkollegen um Unterstützung. Auch das Festhalten von Erfolgen (z.B. positive Kundenrückmeldungen) motiviert und bestärkt ihn, was ihm wiederum im Umgang mit der Situation hilft.

Im organisationalen Kontext geht die Bedeutung des Begriffs «Resilienz» über individuelle Fähigkeiten hinaus. Nicht nur einzelne Mitarbeitende, sondern auch Führungskräfte, Teams oder ganze Organisationen können resilient unterwegs sein. Übergreifend wird in diesem Zusammenhang von «organisationaler Resilienz» gesprochen. Organisationen gelten als resilient, wenn sie Herausforderungen wie Veränderungen, Umbrüche oder Krisen nicht nur bewältigen, sondern zugleich gestärkt aus ihnen hervorgehen.

Beispiel: Die vielen Kundenanfragen sind nicht nur für Mitarbeiter M., sondern auch für sein Team und die Organisation als Ganzes spürbar. Durch das vertrauensvolle Unternehmensklima kann der Ansturm gemeinsam bewältigt werden. Auch ist das Team vorbereitet und hat einen Plan, wie die Situation gelöst werden kann: Man unterstützt sich gegenseitig, tauscht nötige Informationen aus und trifft schnell Entscheidungen. Sobald sich die Situation gelegt hat, werden die Geschehnisse unter die Lupe genommen, um herauszufinden, was der Auslöser war und wie künftig besser damit umgegangen werden kann.

 

Gesamtheitliche Resilienzförderung als Strategie

Organisationale Resilienz ist ein überaus wichtiges Thema für Management und Strategie. Hohe Anpassungs- und Widerstandsfähigkeiten legen heutzutage den Grundstein für einen langen Fortbestand der Organisation. Die eigene Widerstandskraft können Unternehmen stärken, indem sie sich auf die Entwicklung und Förderung ihrer organisationalen Resilienz fokussieren. Damit diese strategischen Bemühungen richtig fruchten, sollten die Massnahmen allerdings ganzheitlich ausgerichtet sein.

Nach Philipsen und Ziemer (2013) setzt eine ganzheitliche Resilienzförderung in Unternehmen auf drei Ebenen an: auf der Mitarbeiter-, Führungs- und Organisationsebene.

  1. Individuelle (Mitarbeiter-)Resilienz
    Durch gezielte Mitarbeiterförderung kann die persönliche Widerstandsfähigkeit gestärkt werden. Mithilfe von Achtsamkeitstrainings lernen Mitarbeitende beispielsweise, wie man Situationen angemessen wahrnimmt und bewusst akzeptiert, was ihnen beim Auftreten unerwarteter Ereignisse zu mehr Handlungskontrolle verhilft.
  2. Resiliente Führung
    Der wichtigste Dreh- und Angelpunkt ist nach Philipsen und Ziemer (2013) eine resilienzstärkende Führung, welche die beiden anderen Ebenen «trägt». Resiliente Führung zeichnet sich dadurch aus, dass sie Resilienz fördert und fordert wie auch selbst lebt. Dies bedeutet, dass Führungskräfte mit ihrem resilienten Verhalten als Vorbild fungieren und ihren Mitarbeitenden ermöglichen, ihre Stärken zu stärken, wofür diese seitens der Unternehmensführung Anerkennung erhalten.
  3. Organisationale Resilienz
    Auch auf organisationaler Ebene gibt es unterschiedliche Aspekte, die zur Stärkung von Resilienz beitragen. Nicht nur die Gestaltung der Infrastruktur und die materielle, technische sowie personelle Ausstattung, sondern auch die Organisationsstruktur und -kultur haben einen Einfl uss darauf, ob die Organisation als Ganzes resilient ist. Schafft ein Unternehmen zum Beispiel Raum für Sinnhaftigkeit und persönliche (Weiter-)Entwicklung, so kann sich ein sinnstiftendes Wertesystem entwickeln, das in kritischen Situationen als Halt dient.


Was Philipsen und Ziemer (2013) in ihrem Modell nicht explizit als eigenen Bestandteil aufführen, ist die Teamresilienz. In Wissenschaft und Praxis wird die Resilienzförderung auf Teamebene aber zunehmend thematisiert. Nach Rolfe (2019) sind resiliente Teams flexibel, konfliktfähig und tolerant in der Zusammenarbeit. Massgebend dafür sind unter anderem das Schaffen fürsorglicher Beziehungen sowie die gemeinsame Überzeugung, unvorhersehbare Aufgaben als Team bewältigen zu können.

 

Resilienztrainings als betriebliche Gesundheitsförderung

Massnahmen zur Entwicklung und Förderung von Resilienz sind in Organisationen insbesondere dann wirksam, wenn sie gut in den Betrieb eingebettet sind. Gezielte Interventionen wie zum Beispiel Resilienztrainings, die über die organisationalen Faktoren (wie Prozesse, Strukturen, Kultur) hinausgehen und die Resilienzentwicklung im Unternehmen präventiv fördern, stellen dahingehend einen geeigneten Weg dar.

An dieser Stelle lohnt sich die Zusammenarbeit mit Resilienztrainer/-innen. Durch massgeschneiderte Trainings unterstützen Resilienztrainer/-innen Einzelpersonen, Teams oder Organisationen bei der Stärkung ihrer inneren Widerstandskraft mit dem Ziel, Herausforderungen auf gesunde Weise zu begegnen. Dies gelingt durch das Schaffen einer resilienten Grundhaltung sowie das Entdecken, Aufbauen und Aktivieren von Ressourcen.

Auch wenn eine hohe Widerstandsfähigkeit nicht voll und ganz vor Krisen schützt, zeigt sich auf individueller Ebene, dass resiliente Personen physisch und psychisch gesünder sind. In diesem Sinne können resilienzfördernde Trainings als betriebliche Gesundheitsförderung und damit als Teil eines nachhaltigen betrieblichen Gesundheitsmanagements betrachtet werden.

 

Erfolg resilienter Unternehmen

Eine gezielte Resilienzförderung hat für Unternehmen viele Vorteile und ist nicht nur auf die Kostensenkung durch geringere Absenzen zurückzuführen. Vielmehr scheint organisationale Resilienz ein entscheidender Wettbewerbsfaktor zu sein.

Die Resilienzforschung ist im Bereich von Organisationen noch relativ jung. Erste Studien (z.B. Orizt-de-Mandojana & Bansal, 2016) zeigen aber ein erfreuliches Bild: Resiliente Unternehmen sind langfristig erfolgreicher und profitieren von:

  • höheren Überlebensraten: Durch das stetige Risiko- und Krisenmanagement wird das Überleben der Organisation eingeübt, bevor es wirklich zur Krise kommt.
  • ökonomischen Vorteilen: Das unternehmerische Tun erfolgt ressourcenorientiert und ist auf den Markt ausgerichtet. Dadurch zeigen sich geringere finanzielle Schwankungen und ein stärkeres wirtschaftliches Wachstum ist möglich.

 

Ein Schlüsselfaktor in vielerlei Sicht

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse «küren» organisationale Resilienz zu einem massgebenden Schlüsselfaktor für unternehmerischen Erfolg. Darüber hinaus fördert organisationale Resilienz durch den bewussten und gesunden Umgang mit Herausforderungen die Motivation, Zufriedenheit und auch Leistung der Mitarbeitenden.

Ein ganzheitlich ausgerichtetes betriebliches Resilienzmanagement umfasst also eine breite Massnahmen-Palette: Neben den Aspekten, die bewusst auf die Überlebensfähigkeit des Unternehmens abzielen, darf der Fokus auf die betriebliche Gesundheitsförderung – und damit die Aktivierung wertvoller Ressourcen – nicht vernachlässigt werden: Nur ein gesundes Unternehmen ist auch ein resilientes Unternehmen.

 

 

 

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